


Fast wie ein Märchen, so wirkt Die Filmerzählerin vom chilenischen Autor Hernán Rivera Letelier. Armes Aschenputtel tritt in den Glanz des Rampenlichts. Und wie jedes andere Märchen, hat auch Die Filmerzählerin einen ernsten Kern. Eine arme Familie in einem kleinen Dorf fernab von jeglichem modernen Schnickschnack, ein 10-jähriges Mädchen, der Vater gelähmt, die Mutter auf und davon. Doch wie es in Märchen eben so ist, spielen Armut und der ernste Hintergrund nur eine untergeordnete Rolle, sie sind sozusagen der Anstoß zum Gang des Weges bis zum großen Glück, denn für die Protagonisten zählen andere Werte.
Die erst 10 Jahre junge María Margarita wird zur Filmerzählerin. Sie erzählt die Filme aus dem Kino mit all ihren Facetten nach und hat dabei bald mehr begeisterte Zuschauer in ihrem Dorf als die Filmvorführungen selbt. Das Happy End scheint vorprogrammiert, und bei María Margarita scheint es nicht einmal, wie in jedem anderen Märchen, ein steiniger Weg dorthin zu sein.
Doch dann kommt alles ganz anders, denn Die Filmerzählrin ist eben doch kein Märchen.
Sie ist vielmehr eine Hommage an die Phantasie, die Vorstellungskraft und an das Zuhören. Werte, die in der heutigen Welt allzu oft verloren scheinen oder zumindest verdrängt werden.
Die Filmerzählerin ist ein Buch, das vom ersten Kapitel an fasziniert. Hernán Rivera Letelier erzählt die Geschichte so gefühlvoll, dass man gerne selbst bei den Filmerzählungen dabei wäre. Er benötigt keine großen Worte, keinen auf Spannung ausgerichteten Handlungsstrang. Der Leser taucht auf eine spielerisch leichte Weise ein, in eine fast magische Welt...und ist am Ende beinahe ein bisschen traurig, dass nicht nur diese heutzutage oft keine Zukunft mehr zu haben scheint, sondern auch, dass das Buch in seinen Händen bereits zu Ende ist.


