


„Kuba und die Nacht“ ist eine sehr stimmungsvolle Dokumentation über die Situation von Homosexuellen auf Kuba. Sechs schwule Männer erzählen kurzen Episoden aus ihrem Leben, berichten von den Problemen, die sie innerhalb der kubanischen Gesellschaft mit ihrer Neigung haben. Einer Gesellschaft, die so radikal wie sonst nirgendwo in Lateinamerika mit der Homosexualität umgeht. Einer Gesellschaft, die geprägt ist von Machismo und in der die Rolle eines Mannes als absolutes Oberhaupt über Frauen und die Familie schon von klein auf vordefiniert ist. Einer Gesellschaft, die in ihrer Vergangenheit Schwule verfolgt und eingesperrt hat. Vor diesem Hintergrund erscheint es fast schon ein wenig wie eine Ironie des Schicksals, dass es gerade auf Kuba eine sehr große Zahl an Homosexuellen gibt, in allen Altersklassen, in allen sozialen Schichten und bis hin zu einigen der berühmtesten Persönlichkeiten des Landes, wie etwa dem Schriftsteller Reinaldo Arenas.
Arenas dient Regisseur Christian Liffers in seiner Dokumentation gleichsam als roter Faden durch die Geschichte. In fast schon romantisch anmutender Art und Weise lässt Liffers die Darsteller seines Films berühmte Zitate aus dem lyrischen Schaffen von Reinaldo Arenas zitieren und schafft damit eine gemeinsame Basis, eine Gemeinschaft der Homosexuellen, von der diese in der Realität auf Kuba jedoch noch weit entfernt sind. Es ist eine nachdenklich machende und etwas betrübliche Darstellung der Situation, dafür sorgt auch die sehr stimmungsvolle und eingängige Musik, für die der Komponist Michael E. Rodriguez beim Moondance International Film Festival eine Auszeichnung für die beste Musik in einem ausländischen Film erhielt.
„Kuba und die Nacht“ – Sehnsüchte, Träume und der Wunsch nach einem freien, selbst bestimmten Leben…der Film ist ein melancholischer Appell, der sicherlich vielen Homosexuellen auch hierzulande aus der Seele spricht. Für alle anderen kann er so etwas wie eine Aufklärung sein, dem Andersartigen offener und vorbehaltloser entgegenzutreten und sich vielleicht sogar dafür einzusetzen, gemeinsam an einer Erneuerung der Gesellschaft zu arbeiten.
Regie, Drehbuch & Produzent: Christian Liffers
Genre: Dokumentation
FSK: 6
Dauer: 82 Minuten
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